225 Jahre Neudorf-Platendorf

1796 - wie Platendorf (und später Neudorf) entstand

Die Königliche Regierung von Hannover hatte den Moorkommissar Jürgen Christian Findorff beauftragt, ein großes Stück Moor in der Nähe von Gifhorn aufzuteilen, damit dort Torf abgebaut werden kann. Torf war damals sehr wichtig für die Menschen, denn mit Torf kann man heizen und es war daher sehr wertvoll.

 

Jürgen Christian Findorff plante die Moorkolonie "Platendorf", als sie im Jahr 1796 gründete wurde, war Findorff jedoch bereits verstorben. Etliche Moorbauern kamen und bewirtschafteten ihren Teil des Moores. Stell dir mal vor, damals vor 225 Jahren gab es hier keine oder nur sehr wenig Bäume! Alles war Moorlandschaft und die Menschen lebten in kleinen Hütten. Richtige Häuser wurden erst später gebaut. Diese ersten Moorbauern waren die ersten Bewohner von Neudorf-Platendorf.

 

Um das Gelände bewohnbar zu machen und um an den wertvollen Torf zu kommen, musste das Moor jedoch erst einmal trockengelegt werden. So haben die Leute angefangen, Gräben und Kanäle zu bauen, die das viele Wasser aus dem Moor ableiteten. Das Land wurde mit der Zeit immer trockener und der Torf konnte abgebaut werden. Das war vielleicht eine Arbeit! Alles musste von Hand gegraben werden! Für die Menschen war das ein sehr beschwerliches Leben.

 

Die vielen Gräben bestimmen noch heute das Bild von unserem Dorf. Ein großer Graben war damals der Schifffahrtsgraben. Auf ihm wurde der Torf auf Kähnen abtransportiert. Er floss wie mit dem Lineal gezogen 4 Kilometer durch das Dorf. Heute gibt es den Schifffahrtsgraben jedoch nicht mehr - heute ist er unsere Dorfstraße.

 

Auf der andreren Seite vom Schifffahrtsgraben bauten die Leute etwas später auch noch Häuser, weil es der neuere Teil vom Dorf war, nannte man die Seite „Neudorf“. Die Seite, auf der unsere Schule steht, wurde nach einem bekannten Oberamtmann aus Gifhorn benannt, der Plate hieß. Nun weißt du, wie Neudorf-Platendorf zu seinem Namen kam.

 

Die Bewohner von Platendorf nannten das Moor übrigens „dat Maure“, sie sprachen nämlich Plattdeutsch. Auch heute sprechen manche Leute hier in Platendorf noch ein bisschen "Platt".

 

Auf diesem alten Plan von 1791 kann man erkennen, wie das Moor aufgeteilt wurde. Die einzelnen Bereiche nannte man "Kolonien". Jeder Moorbauer erhielt eine Kolonie. Insgesamt gab es 53 davon verteilt auf beiden Seiten links und rechts vom Schifffahrtsgraben in der Mitte.

 

 

Hier siehst du den Moorkommissar Jürgen Christian Findorff.

 

Mehr Informationen zu Findorff findest du HIER.

 

Unsere Schule

1879 wurde die Schule gebaut. Damals war es eine "Volksschule" in der alle Kinder des Dorfes von der 1. bis zur 8. Klasse unterrichtet wurden. Wusstest du, dass es ganz am Anfang sogar 2 Schulen hier im Dorf gab? Eine auf der Seite von Neudorf und eine auf der Seite von Platendorf. Da das Dorf durch den Kanal getrennt war, gingen die Kinder auf zwei verschiedene Schulen.

 

Die Lehrer wohnten damals im ersten Stock in der Schule. Auch befand sich ein sogenannter "Betsaal" im ersten Stock, denn Neudorf-Platendorf hatte damals noch keine Kirche und so kamen die Leute am Sonntag in der Schule zum Gottesdienst zusammen. Man erkennt auf dem Bild sogar noch die alte Glocke oben auf dem Gebäude.

 

 

 

So kam es, dass in der Schule auch geheiratet wurde. Kannst du erkennen, wo sich die Hochzeitsgesellschaft zum Foto versammelt hatte?

Hier kannst du noch ein paar Klassenfotos von damals anschauen:

Später (ca 1950) wurde die Schule dann vergrößert. Das Gebäude, welches du auf dem Foto hier sehen kannst, wurde 2011 abgerissen. Dort steht heute unser Neubau mit den bunten Fenstern.

Wenn du möchtest, kannst du dir hier noch ein paar alte Fotos von Neudorf-Platendorf anschauen. Auf einem der Bilder ist sogar der Opa von Frau Schleiss zu sehen. Kleiner Tipp: Er war Imker und hält einen Bienenkorb.

Das "Platendorfer Lied"

Es gibt sogar ein eigenes Lied von Neudorf-Platendorf. Mal sehen, ob du alles verstehen kannst, denn es ist auf Plattdeutsch gedichtet.

 

Im Freujahr isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Im Freujahr isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Wenn dä Barken fanget an greun tau wern,

 

und alle gaht nan Torwesteken hen so girn.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

 

 

Im Sommer isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Im Sommer isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Wenn dä maursche Jung in dä Torfkuhle staht

 

und dat maursche Mäken hinder dä Schufkarre gaht.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

 

 

Im Harbest isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Im Harbest isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Wenn dä Torfspaten in dä Ecke staht,

 

und dä hochbeladenen Feuers uten Dorpe gaht.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

 

 

Im Winter isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Im Winter isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Wenn dä Brüggengroben taue froren is,

 

und dat ganze Maur mit Schnie bedecket is.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

 

 

Ok andre Tid isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Ok andre Tid isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Wenn alle Kinner nah öre Schaule gahn,

 

und het ok recht ehren Spaß daran.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Dann isset obben Maure so herlich, sau schön.

 

Dichter und Komponist: Friedrich Lansmann